Gütersloh. Am Palmsonntag, 13. April, singt der Bachchor Gütersloh um 18 Uhr ein Passionskonzert in der Gütersloher Martin-Luther-Kirche. Die weiteren Mitwirkenden sind unter der Leitung von KMD Sigmund Bothmann: Alice Lackner, Sopran, Nicole Pieper, Alt, Joo-Hoon Shin und Chris Zajonc, Tenor, Manfred Bittner, Bass sowie das Bachorchester Gütersloh (Tobias Sturm, Berlin, Konzertmeister). Auf dem Programm stehen die Messe von Igor Strawinsky, die Kantate ‚Weinen, zagen, sorgen, klagen‘ BWV 12 sowie die Motette ‚Der Geist hilft unser Schwachheit auf‘ BWV 226 von Johann Sebastian Bach.
Die recht frühe Kantate „Weinen, zagen, sorgen, klagen“ schrieb Bach in Weimar, der Stadt, die der Bachchor zum Auftakt seiner Probenwoche im vergangenen Herbst besucht hat. Sie ist vor allem bekannt durch ihren Eingangschor, der später zur Vorlage des „Cruzifixus“ der h-moll Messe wurde. Eine Sinfonia mit konzertierend hervortretender Oboe (Prof. József Kiss, Musikhochschule Detmold) ist dem üppigen Eingangschor vorangestellt. Die Kantate handelt vom Gespräch Jesu’ mit seinen Jüngern vor seinem Tod. Er bereitet sie darauf vor, zwar jetzt traurig zu sein, zu weinen und zu klagen, aber dass sie sich am Ende wiedersehen werden und dass sich alles Leid in Freude verwandeln wird. Die Musik macht den Schmerz des Abschieds und die düstere Klage darüber hörbar und endet doch strahlend und festlich in unserer christlichen Zuversicht: „Was Gott tut, das ist wohlgetan.“
Die Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ schrieb Bach 1729 als Auftragswerk für die Beisetzungsfeierlichkeiten für den Leipziger Thomasschulrektor und Universitätsprofessor Johann Heinrich Ernesti. Sie ist für zwei vierstimmige Chöre komponiert und wird von einem Choral beschlossen. Der Text aus dem Römerbrief handelt vom Heiligen Geist in seiner Rolle als Tröster, Helfer und Beistand in allen Lebenslagen.
Die Messe von Igor Strawinsky aus den 1940er Jahren bildet einen Kontrast zu Bachs musikalischer Sprache, war jedoch wie Bachs Kantaten für den gottesdienstlich-liturgischen Gebrauch gedacht. Strawinsky ließ sich durch das Studium von Mozarts Messen zur Komposition einer eigenen Messe anregen, heraus kam tonsprachlich allerdings eher ein Gegenentwurf. Schon die Orchesterbesetzung ist ungewöhnlich, da sie auf Streicher verzichtet: Sie besteht aus einem doppelten Bläserquintett mit viel Holz und wenig Blech. Strawinsky greift zwar auf die modale Harmonik des Mittelalters und den gregorianischen Choral zurück, kombiniert sie jedoch mit seinen zeitgemäßen Mitteln. Obwohl Strawinsky russisch-orthodoxen Glaubens war und er die Messe als gläubiger Mensch ohne Kompositionsauftrag geschrieben hat, schuf er eine römisch-katholische Messe. Der Grund ist einfach: in der Tradition seiner Kirche ist eine Instrumentalbegleitung im Gottesdienst nicht vorgesehen und Strawinsky konnte unbegleiteten Gesang, wenn er nicht ganz einfach und harmonisch war, nur schlecht ertragen. So endet die nicht immer eingängige Messe in einer ungelöst, unbestimmt schwebenden Harmonie.
Karten sind im Vorverkauf bei GT Marketing, Tel. 05241 211360, sowie an der Abendkasse erhältlich. (AP)